St. Anna - Geschichte

In den Jahren 1956 bis 1958 stellte man in der kath. Kirchengemeinde St. Peter (Rheinberg) erste Überlegungen an, im damaligen Neubaugebiet „Annaberg“ eine neue Pfarrgemeinde zu gründen. 

Nachdem sich 1967 der „Pfarrverein St. Anna“ gebildet hatte, wurde 1970 der „Seelsorgebezirk St. Anna“ zur Rektoratspfarrei erhoben. Schon 1968 baute man eine Notkirche für die neu entstehende Gemeinde, die Bischof Josef Höffner am 08. September 1968 einweihte. War diese Notkirche auch nur für den Übergang bis zum Bau einer „richtigen“ Stein-Kirche geplant und gebaut, so tat sie doch mehr als 15 Jahre ihren Dienst. 

Aber für die wachsende Gemeinde wurde der Raum zu klein. Überall machte sich die Situation als „Notkirche“ bemerkbar. So beschloss der Kirchenvorstand 1981 eine neue, die eigentliche Pfarrkirche zu bauen. Nach einem Architektenwettbewerb wurde der Diözesanbaumeister des Bistums Essen, Prof. Dr. Heinz Dohmen mit der Durchführung der Baumaßnahme beauftragt.

Am 13. August 1982 begannen die Bauarbeiten; am 11. September 1982 legte man den Grundstein der neuen Kirche; am 15. April 1983 konnte man schon Richtfest feiern, und am 17. September 1983 weihte der Bischof von Münster, Dr. Reinhard Lettmann, die neue Pfarrkirche feierlich ein. 

Auf Grund der kirchlichen Strukturveränderungen wurde die St.-Anna-Kirche im Rahmen der Fusion mit den kath. Pfarrgemeinden St. Peter (mit St. Marien in Budberg) und St. Nikolaus (Orsoy) Pfingsten 2007 zur Filialkirche der neuen St.-Peter-Pfarrei in Rheinberg. 

Kirchbau heute
Die Kirche – das Haus Gottes und zugleich das Haus der Gemeinde, Ort der Verkündigung, des Herrenmahls, des tätigen Miteinanders der Gläubigen, wie auch der Anbetung des dreifaltigen Gottes und der privaten Andacht. 

So stellt der Bau einer Kirche den Architekten immer wieder neu vor die Aufgabe „alten Wein in neue Schläuche“ zu füllen. Traditionelle Anforderungen an eine Kirche, die Wünsche und die Situation der Gemeinde, die Erfordernisse der Liturgie – all das soll der Architekt mit einbeziehen in seinen Bau, wenn er aus Steinen und Formen ein ansprechendes Gebäude, ein Zeichen einer lebendigen Gemeinde schaffen will. Es soll ein Haus für die Gegenwart und die Zukunft sein.

1956 - 58
erste Überlegungen in St. Peter zur Neugründung einer Pfarrgemeinde am „Annaberg“

1967
Neubau des St.-Anna-Kindergartens an der Kirche (heute Familienzentrum)

14. 06. 1967
Gründung des Pfarrvereins St. Anna e.V.

19. 11. 1967
erste Hl. Messe i. d. Aula der St.-Anna-Schule (heute GGS Grote Gert)

08. 09. 1968
Einweihung der Notkirche (heute gr. Pfarrsaal)

15. 04. 1970
Erhebung von St. Anna zur Rektoratspfarrei

20. 05. 1970
Kaplan Bruns wird Pastor an St. Anna

1972
Neubau des St.-Anna-Kindergartens (Schulstr.)

22. 10. 1977
Diakonenweihe von Karl-Heinz Hügen

01.10.1981
Auftragsvergabe an Prof. Dr. Dohmen zur Planung einer „Stein“-Kirche

11. 08. 1982
Beginn der Bauarbeiten für unsere neue Kirche

11. 09. 1982
Grundsteinlegung

15. 04. 1983
Richtfest für den Rohbau der Kirche

17. 09. 1983
feierliche Kirchweihe durch Bischof Dr. Reinhard Lettmann

30. 10. 1993
Pfarrer em. Wilhelm Bruns stirbt

August 1994
Einführung von Pfarrer Winfried Schrader

Pfingsten 1999
Orgelweihe

Advent 2005
Erneuerung von Ambo, Tabernakel, Taufbecken und Sedilien

September 2006
Verabschiedung von Pfarrer Winfried Schrader, Pfarrer Wolfgang Schmitz wird Pfarrverwalter

Pfingsten 2007
Fusion der Pfarrgemeinden St. Anna, St. Peter (mit St. Marien) und St. Nikolaus zur neuen kath. Kirchengemeinde St. Peter unter der Leitung von Pfarrer Wolfgang Schmitz

Kirchweih 2008
Einführung des neuen Evangeliars für die Liturgie in der St. - Anna - Kirche


Die St.-Anna-Kapelle
„Dieselbe liegt unweit der alten Römerstraße auf dem sogenannten St. Annaberg, eine halbe Stunde von Rheinberg entfernt, und wird schon 1555 erwähnt. Der Hügel, auf welchem die Kapelle erbaut ist, war wahrscheinlich eine römische Schanze, deren sich in der Nähe von Rheinberg noch mehrere vorfinden (Vittenhof, Berkefort, Holtappel u.a.). Für diese Annahme spricht, dass man auch anderwärts häufig findet, wie auf den Ruinen römischer Landhäuser oder Lager später christliche Kirchen erbaut wurden.
Im Jahre 1631 wurde die Kapelle durch Holländer zerstört und 1643 abgebrochen. Da der Ort jedoch eine vielbesuchte Stelle frommer Beter blieb, und auch verschiedene Wunder dort geschehen sein sollen, so wurde gegen Ende des vorigen Jahrhunderts die noch heute stehende Kapelle erbaut und am 26. Juli 1774 vom Prälaten Dionysius Genger von Camp eingeweiht. Gleichzeitig wurde der Weg dahin mit sieben in Stein gehauenen Stationen geziert und eine Stiftung gemacht, dass der Lehrer der deutschen Schule mit den Kindern jährlich einmal dorthin wallfahren solle.
Seit 1833 ist der katholische Kirchhof, der früher in der Stadt um die Pfarrkirche lag, dorthin verlegt und wird die Kapelle auch jetzt noch sowohl als Andachtsstätte wie auch als Zielpunkt eines angenehmen Spazierganges viel besucht. Früher fand an jedem Freitag eine Andacht dort statt, jetzt nur noch an einzelnen Tagen des Jahres, so auf Allerheiligen, St. Anna. Am 31. August 1633 zerstörten holländische Soldaten, geführt von ihrem Hauptmann, die St. Anna-Kapelle.

Die Geschichte hat sich folgendermaßen zugetragen:
Der holländische Gouverneur vertrieb die Frauen und Kinder der in der Stadt zurückgebliebenen spanischen und brabantischen Gefangenen hinaus. Sie flüchteten sich, um den Ihrigen nahe zu sein, in die hinter dem St. Annaberge gelegenen Häuser und Hütten. und begaben sich öfters in die St. Anna-Kapelle zum Gebet.
Nachdem schon mehrere Tage vorher sich das Gerücht verbreitet hatte, die Kapelle werde zerstört werden, nahte sich derselben am Abend des 31. August, als eben jene Frauen und Kinder wieder dort versammelt waren, nach Sonnenuntergang ein wilder Haufen mit brennenden Fackeln. Nicht bemerkt von den betenden, waren sie am südlichen Abhang des Hügels angekommen und stürmten nun auf die unglücklichen Opfer los.
Einige Frauen suchten zu entfliehen, aber wurden schon an der Tür ergriffen und niedergestoßen, während andere vergeblich sich bemühten, sich einzuschließen. Die Mörder drangen mit Gewalt ein. Am Altare kniete mit ihren beiden Kindern die Frau des Hauptmannes von Zamora, Die Unmenschen stürzten über sie her, schlugen sie nieder, schleppten sie bei den Haaren aus der Kapelle und warfen sie – eine Leiche – den Berg hinab.
Die Fenster wurden zerschlagen, der Altar zertrümmert, die Bilder zerstört und die Trümmer angezündet. Hoch loderte die Flamme, in der Stadt wurde die Sturmglocke geläutet; doch durften die aus dem Schlaf aufgeschreckten Bürger es nicht wagen, zu Hilfe zu eilen, denn der gleich nach der Tat in wilder Wut zurückkommende Haufen misshandelte, was ihm auf dem Weg begegnete. Der Anstifter der Tat stand am Fenster und ergötzte sich an dem schönen Feuer. Er freute sich der gelungenen Tat und der Rache, die da genommen worden war, an der Stätte frommer Andacht.
Einer jener unglücklichen, die sich der Tat schuldig gemacht hatten, fand auf seinem Sterbebett keine Ruhe, Wachend und im Träume hörte er das Hilfsgeschrei der unglücklichen Opfer jener Mordnacht. Er sah die Flammen des Nachtbrandes, stürzte fort, sich zu retten. Aber vor ihn hin trat eine hohe Gestalt, an der Brust die erschlagenen Kindlein. Schaudernd fuhr er zurück und erwachte, in kaltem Schweiß gebadet. Da erfasste ihn der Gedanke, ein Versöhnungsmonument zu errichten.
Er setzte in seinem Testament zum Wiederaufbau der Kapelle eine ansehnliche Summe aus, empfahl seinen Erben die heilige Pflicht und starb. och erst im 18. jahrhundert erfüllte ein Nachkomme diese Pflicht. Er beauftragte den Bürgermeister Glatzweiler mit dem Wiederaufbau der Kapelle. Dieser führte den Auftrag mit Freuden aus.“
(Aus: „Mitteilungen des Vereins von Geschichtsfreunden zu Rheinberg“, Zweites Heft, 1883)

Das Gefangenenlager
„Im März 1945, erinnert sich der stellvertretende Stadtdirektor Janssen, wurde auf diesem Gelände von den Siegermächten ein großer ‚Auftrieb’ ehemaliger deutscher Soldaten begonnen. Es gab keine Unterkünfte auf dem großen stacheldrahtumzäunten Areal. Um sch vor der Kälte zu schützen, gruben dich die Gefangenen mit der Konservendose oder mit den bloßen Fingern tiefer in den Acker. Für den plötzlichen ‚Massenauftrieb’ reichte auch die Verpflegung nicht aus, so dass die Lagerinsassen mit dem Hunger leben mussten. Viele starben an Entbehrungen. Das Leiden der Gefangenen ist in Rheinberg schon fast Legende geworden. So wird erzählt, dass heute noch bei Bauarbeiten auf diesem Gelände immer wieder Überreste menschlicher Skelette gefunden werden. Stellvertretender Stadtdirektor Janssen glaubt jedoch, dass die zahl der Umgekommenen vielfach übertrieben wird. Tausende Tote habe es mit Sicherheit nicht gegeben, einige Hundert kämen der Wahrheit näher.“ 

(Rheinische Post, 02.10.1973)

Als das Grauen des Krieges zu Ende ging, hinterließ das Wahnsinnsregime Hitlers ein Chaos und in Deutschland schlug die Stunde Null. Die Sieger hatten für das geschlagene Deutschland vorübergehend die Genfer Konvention und die Haager Landkriegsordnung außer Kraft gesetzt. Das zeigte sich erschreckend in dem berüchtigten Rheinberger Kriegsgefangenenlager, wo von März bis Juli/August 1945 bis zu 200.000 deutsche Kriegsgefangene zeitweise ohne ein Mindestmaß an Versorgung vegetieren mußten. 

"Mensch auf den Acker gesät" hat Dr. Josef Nowak, selbst Lagerinsasse, sein Buch betitelt. Eindrucksvoller läßt sich die Not der Gefangenen nicht beschreiben. "Rheinwiesen 1945" und "Kippen stark gefragt", des "Kumpel Anton" Vater ' Wilhelm Herbert Koch schildern ebenfalls dieses Rheinberger Kapitel des Kriegsendes, und Hans Joachim Klein schreibt in seinem Gedichtband "Das Rheinberger Vaterunser"

 

 

 

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